Altersgerechtes Wohnen: Leben im Alter

Wohnen und Leben im Alter

Heutzutage möchte jeder Mensch alt werden und solange wie möglich auch in seinem Zuhause Wohnen. Doch wie immer in einem Menschenleben, kommt es nicht immer so, wie man sich das vorgestellt hat. Man kann krank werden, einen Unfall erleiden oder im Alter gebrechlich und Pflegebedürftig werden. Alles Ereignisse, die ein eigenständiges Leben in seinem Zuhause beeinflussen können.
Da aber die meisten Häuser und Wohnungen für gesunde und kräftige Menschen gebaut und zugeschnitten wurden, kommen aber Probleme, wenn man diesem Bild nicht mehr entspricht.
Wenn sich also eine Lebenssituation durch Krankheit, das Älterwerden oder eine Behinderung ändert, dann stellen sich viele Fragen, die beantwortet werden müssen: Welche Maßnahmen erfordert diese neue Lebenssituation? Ist die angestammte Wohnung oder das Haus noch die richtige, reichen Umbaumaßnahmen oder sollte ich besser umziehen? Benötige ich mehr Hilfen im Alltag? Kann ich mir vorstellen, in einer vollstationären Einrichtung zu leben?
In den nächsten Kapiteln können Sie sich über die unterschiedlichen Wohnmöglichkeiten, die für ein Leben mit Unterstützungsbedarf geeignet sind, näher informieren.

Kapitel 1 Barrierefreies Wohnen und Leben zu Hause ohne Umzug
Kapitel 2 Wohnen mit Umzug in eine barrierefreie Wohnung
Kapitel 3 Wohnen mit Umzug in eine betreute Wohnform
Kapitel 4 Wohnen in einer stationären Einrichtung
Kapitel 5 Wohnen mit besonderen Einschränkungen wie geistige oder seelische Behinderung oder Suchterkrankung

Kapitel 1 Barrierefreies Wohnen und Leben zu Hause ohne Umzug

In der angestammten Wohnung mit Behinderung, Unterstützung – oder Pflegebedarf wohnen zu bleiben, bedeutet in der Regel, dass die Wohnung an die neue Lebenssituation und die neuen Anforderungen angepasst werden muss. Dies bewirkt zum einen mehr Komfort, aber vor allem auch mehr Sicherheit. Beispielsweise dann, wenn keine Türschwellen überwunden werden müssen, Haltegriffe an den wichtigsten Stellen angebracht sind, das Bad an die Einschränkungen angepasst ist, etc.
Dafür gibt es den Fachbegriff „Wohnraumanpassung“. Wohnraumanpassung führt dazu, dass eine Wohnung barrierefrei bzw. barrierearm gestaltet ist.
Vieles können Sie zunächst selbst in der Wohnung verändern, um länger sicher und barrierearm zu Hause leben zu können. Dazu ein paar Tipps:
• Schaffen Sie Platz, um sich frei bewegen zu können – manches Möbelstück ist überflüssig geworden.
• Teilen Sie die Zimmer neu auf – wer unten schläft, muss keine Treppen steigen.
• Fenster und Türen sollten leicht zugänglich sein – wissen Sie zum Beispiel, dass es eine Fenstergriffverlängerung gibt?
• Informieren Sie sich zu weiteren Hilfsmitteln, die den Alltag erleichtern.
• Vermeiden Sie Stolperfallen am Boden, z.B. Teppiche mit Eselsohren und bringen Sie ausreichend Haltegriffe an.
• Schaffen Sie Plätze zum Sitzen, z.B. für das An- und Ausziehen von Schuhen, Sitzmöglichkeiten in der Dusche etc.

Es gibt aber auch viele weitere Möglichkeiten, um eine Wohnung „Barrierefrei“ zu gestalten, zu denen man Hilfe und Beratung benötigt:
Dazu gehören:
• Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. Niedrigere Fenstergriffe für Rollstuhlfahrer, Erhöhung des Bettes, Toilettenerhöhung etc.).
• Technische Hilfen wie Brandmelder, Sturzmelder etc.
• Beseitigung von Mängeln in der Ausstattung (z.B. in Bad, WC, bei der Heizung).
• Reorganisation der Wohnung oder des Hauses (z.B. Wohnungsverkleinerung, Stockwerktausch).
• Beseitigung von Barrieren (z.B. Einbau eines Treppenlifts, Verbreiterung von Türen, bodengleiche Dusche).
uvm.

Zur Umsetzung dieser Maßnahmen ist es sinnvoll, sich von Fachkräften beraten zu lassen, die bei der Planung der Umbaumaßnahmen helfen, Ihnen die Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigen und auch versierte Handwerker kennen.
Anlaufstellen sind Sozialer Dienst der Stadt Rödermark, der Sozialverband VdK Ober-Roden und die Wohnraumberatung des Diakonisches Werk in Dreieich, Winkelsmühle.

Kapitel 2 Wohnen mit Umzug in eine barrierefreie Wohnung

Wir sind eine älter werdende Gesellschaft und zunehmend mehr Menschen interessieren sich frühzeitig für neue selbstorganisierte Wohnformen, um das Leben im Alter oder mit Behinderung selbst aktiv zu gestalten und unabhängig von der Hilfe der Kinder zu sein.

Selbstorganisierte Wohnformen/Mehrgenerationenhaus
„Gemeinsam statt einsam“ – unter diesem Motto schließen sich Jung und Alt, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, um gemeinsam zu wohnen und zu leben. Ziel ist es barrierefrei zu wohnen, in einem barrierefreien Umfeld, sich in den Dingen des Alltags gegenseitig zu unterstützen und sich zu begegnen, sei es beim gemeinsamen Kochen und Essen, gemeinsamen Unternehmungen oder gemeinsamen Feiern. Dazu werden neue Wohnprojekte geschaffen und/oder ganze Orte und Stadtteile entwickelt. Häufig braucht es einen langen Atem und die politische Unterstützung, um solche Wohnprojekte und Quartiersentwicklung zu initiieren und umzusetzen, aber immer lohnt es sich. Die Grundlage für ein gutes Gelingen dieser Projekte ist neben einem großen Engagement der Interessierten die enge Zusammenarbeit von Kommune, Wohlfahrtsverbänden, Wohnungswirtschaft und Dienstleistungsanbietern.
Auskunft zu vorhandenen oder geplanten Projekten erhalten Sie beim Pflegestützpunkt und beim Kreis Offenbach.

Kapitel 3 Wohnen mit Umzug in eine betreute Wohnform

Sie wünschen sich beim Wohnen eine Kombination aus Eigenständigkeit, Sicherheit, (völliger) Selbstversorgung und umfassenden Hilfsangeboten?
Und Sie suchen mehr Gemeinschaft und sind bereit, dafür umzuziehen?
Über die für diese Bedürfnisse zur Verfügung stehenden Wohnmöglichkeiten informiert Sie dieses Kapitel.

Wohnen mit Service (Betreutes Wohnen mit Umzug)
Hier geht es um Wohnanlagen, in denen die Menschen, die dort leben, je nach Lebenslage die notwendige Hilfen bekommen, die sie benötigen. Viele Bauträger bieten das sogenannte Betreute Wohnen oder Service-Wohnen an und im Bundesdurchschnitt leben heute bereits ca. zwei Prozent der über 65-Jährigen in einer solchen Wohnform.
Doch aufgepasst: Betreutes Wohnen bzw. Servicewohnen sind keine rechtlich geschützten Begriffe und schon mancher hatte nach dem Umzug ein böses Erwachen, weil der Service und Komfort doch weniger war bzw. deutlich teurer wurde, als zunächst gedacht.
Viele Menschen stellen sich den Service und die Betreuung im Umfang eines Heimes vor. Dem ist jedoch nicht so und deshalb ist es wichtig, die Mindeststandards des Betreuten Wohnens/Servicewohnens zu kennen, die in der DIN 77800 „Qualitätsanforderungen“ an Anbieter der Wohnform „Betreutes Wohnen“ geregelt sind. Die Mindeststandards sind:
• Das Leistungsangebot ist transparent und verständlich beschrieben.
• Die vertraglichen Regelungen sind gut verständlich und eindeutig.
• Mietvertrag und Servicevertrag für die Betreuungsleistungen werden gesondert abgeschlossen.
• Es wird zwischen Grundleistungen und zusätzlichen Wahlleistungen getrennt.
Für den Umzug in das betreute Wohnen/Servicewohnen ist ein Mindestmaß an Selbständigkeit nötig. Besonders bei dem Vorliegen einer Demenzerkrankung ist kritisch zu prüfen, ob dieses Angebot wirklich das Richtige für Sie ist.

Wie kann ich erkennen, ob diese Wohnform für mich geeignet ist?
Dazu schauen Sie sich folgende Punkte genau an:
Der Vertrag mit einer Einrichtung des Service-Wohnens ist in der Regel so gestaltet, dass er zunächst aus einem Mietvertrag und aus einem Vertrag zu den Service-Leistungen besteht. Diese Service-Leistungen sind in Grundleistungen und in Wahlleistungen aufgeteilt. Die Grundleistungen werden über eine Pauschale zusätzlich zum Mietpreis abgerechnet.
Beispiele für Grundleistungen sind:
Barrierefreiheit, Hausmeisterservice, Notrufanschluss, Gemeinschaftseinrichtungen, Erreichbarkeit von Personal in dringenden Fällen, Koordination und Vermittlung von Diensten, Beratung und persönliche Hilfestellung, Angebote zur Förderung sozialer Kontakte und gegenseitiger Hilfen.
Neben den Grundleistungen werden Wahlleistungen angeboten, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden können und dann extra abgerechnet werden.
Beispiele für Wahlleistungen sind:
Begleitdienste bspw. zum Arzt, Verpflegung oder Essen auf Rädern, hauswirtschaftliche Leistungen, Pflegeleistungen.
Der Vermieter arbeitet mit Dienstleister zusammen, wie z.B. ambulanten Pflegediensten, welche die gewünschten Wahlleistungen zuverlässig erbringen. Jedoch sollte hier grundsätzlich auch eine Wahlfreiheit zwischen den Anbietern bestehen.
Nicht leisten kann Betreutes Wohnen in der Regel:
Intensive Betreuung, rechtliche Betreuung, Vollversorgung, ein struktuiertes Tagesangebot Pflege nur als Wahlleistung.
Daher ist für den Umzug in das Betreute Wohnen/Servicewohnen ein Mindestmaß an Selbstständigkeit nötig. Besonders bei dem Vorliegen einer Demenzerkrankung ist kritisch zu prüfen, ob dieses Angebot wirklich das Richtige für Sie ist.
Überlegen Sie genau, ob diese Wohnform wirklich die richtige ist und was der nächste Schritt sein muss, sollte die angebotene Betreuung nicht mehr ausreichen.
Auskunft zu vorhandenen oder geplanten Projekten erhalten Sie beim Pflegestützpunkt und beim Kreis Offenbach bzw. beim Sozialen Dienst Ihrer Kommune.

Kapitel 4 Wohnen mit Umzug in eine stationäre Pflege-Einrichtung

Der Wechsel aus den eigenen Wänden in ein Alten- und Pflegeheim stellt eine einschneidende Veränderung der bisherigen Lebensumstände dar, doch nicht immer ist eine Versorgung zu Hause möglich. Dann ist der Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim eine Alternative. Diese Entscheidung, in eine stationäre Einrichtung zu ziehen, kann für den Menschen und seine Angehörige eine hohe Entlastung und viel Lebensqualität bringen. Ca. 30 Prozent der pflegebedürftigen Menschen leben in einer stationären Einrichtung. Moderne Einrichtungen sorgen nicht nur für gute pflegerische Versorgung rund um die Uhr, sondern fördern die Anknüpfung und den Erhalt sozialer Kontakte. Die Pflegeversicherung übernimmt einen Teil der Kosten für die vollständige Versorgung.
Die Pflegeheime bieten neben Verpflegung mit mehreren täglichen Mahlzeiten, vollumfängliche Pflege und Reinigung der Räume, zudem auch Aktivitäten und Begleitung.
Doch was kostet das?
Das ist die Frage, die viele bewegt. Im Pflegefall fallen verschiedene Kostenarten an:
• Kosten für Pflege/pflegerische Versorgung/Hauswirtschaft/Betreuung
• Kosten für Unterkunft und Verpflegung
• Investitionskosten
• Ausbildungsumlage
Die Höhe der Kosten variiert je nach Pflegeheim. Die Pflegeversicherung finanziert die Pflegekosten, trägt aber in der Regel die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen jedoch nicht. Diese müssen Sie selbst zahlen.
Sollen Ihre finanziellen Möglichkeiten nicht reichen, um die Kosten zu tragen, kann ein Antrag auf Heimplatzfinanzierung beim zuständigen Sozialamt des Kreises Offenbach gestellt werden.
Und wie finde ich das richtige Pflegeheim für mich?
Dazu könnnen Sie sich z.B. folgende Fragen stellen:
• Wie wichtig ist mir ein Einzelzimmer?
• Soll das Haus in der Nähe meines bisherigen Wohnortes oder in der Nähe meiner Kinder/Freunde/Verwandten sein?
• Gibt es eine gute Verkehrsanbindung?
• Sind Geschäfte in der Nähe?
• Schmeckt das Essen gut?
• Gibt es ein Unterhaltungsangebot?
• Wie ist die ärztliche Versorgung?
Wenden Sie sich mit Ihren Fragen gerne an den Pflegestützpunkt oder Ihren kommunalen Sozialen Dienst. Diese können Sie dort besprechen und die geignete Pflegeeinrichtung finden. Der Pflegestützpunkt kann Ihnen auch sagen, wo ein Pflegeplatz frei ist.

Kapitel 5 Wohnen mit besonderen Einschränkungen wie geistige oder seelische Behinderung oder Suchterkrankung

Prinzipiell stehen Menschen mit einer Behinderung alle Wohnformen zur Verfügung. Aber es gibt auch spezielle Wohnformen für Menschen mit geistiger, seelischer und körperlicher Behinderung.
Wenn Sie das bisherige Wohnen verändern wollen oder müssen, können Sie sich auch folgende Fragen stellen und diese mit Freunden oder der Familie besprechen.
• Kann ich mich selbst versorgen?
• Kann ich meine Wohnung sauber halten?
• Brauche ich Hilfe im Alltag?
• Habe ich Unterstützung aus der Familie/Freunde?
• Lebe ich lieber allein oder mit anderen zusammen?
• Wie wichtig ist mir Selbstbestimmung?
• Welche Finanzen stehen mir zur Verfügung?
Ihre Antworten helfen Ihnen, die für Sie richtige Wohnform zu finden.

Alle Menschen müssen über ihr Leben selbst bestimmen können. Sie können sagen, wo und mit wem sie leben wollen. Sie dürfen nicht zu einer Wohnform gezwungen werden, weil sie eine Behinderung haben.

Wohnformen bei Behinderung und besonderem Hilfsbedarf:
• Betreutes Einzel-Wohnen
• Betreute Wohngemeinschaft
• Betreutes Wohnen in einer Gastfamilie
• Wohnen in einem Wohnheim oder Wohnstätte

Gerne können Sie sich zu Ihren Fragen beraten lassen:
Sie erhalten eine kostenlose und unabhängige Beratung und Weitervermittlung für Menschen mit Behinderung beim zuständigen Sozialamt und beim Pflegestützpunkt Kreis Offenbach. Die Beratung kann, wenn Sie das wünschen, auch bei Ihnen zuhause stattfinden.

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